Bizarro in Action Comics Nr. 254 (1959) – der verzerrte Superman

Wie ein missglücktes Duplikat des Mannes aus Stahl zu einer der schrägsten und langlebigsten Figuren des DC-Universums wurde.

Im Juli 1959 erschien mit Action Comics Nr. 254 ein Heft, das dem Superman-Mythos eine seiner ungewöhnlichsten Figuren schenkte: Bizarro, das fehlerhafte Duplikat des Mannes aus Stahl. Nur wenige Wochen nach dem Debüt von Supergirl zeigte die Reihe damit erneut, wie viel kreatives Potenzial im Superman-Kosmos steckte – diesmal in Form eines tragischen, kreidebleichen Zerrbilds des Helden.

Wie Bizarro entstand

Verantwortlich für die Figur war einmal mehr das Duo Otto Binder (Text) und Al Plastino (Zeichnungen) – dasselbe Team, das kurz zuvor Supergirl und ein Jahr davor Brainiac eingeführt hatte. In der Geschichte erschafft ein „Duplikator-Strahl" eine unvollkommene Kopie Supermans: gleiche Kräfte, aber ein zerklüftetes, kreideweißes Gesicht und ein verwirrter, kindlicher Verstand. Bizarro versteht die Welt nicht und wird von den Menschen aus Angst zurückgewiesen – was seinen Auftritt eher tragisch als bösartig macht.

Streng genommen war eine erste, jugendliche Bizarro-Variante schon 1958 in Superboy Nr. 68 aufgetaucht. Doch erst der erwachsene Bizarro aus Action Comics Nr. 254 wurde zur Blaupause für alles, was folgte – und machte das Heft zu einem gesuchten Key Issue der Reihe.

„Me am Bizarro!" – eine Figur mit eigener Logik

Was Bizarro bis heute unverwechselbar macht, ist seine völlig verdrehte Logik: Er tut konsequent das Gegenteil dessen, was man erwartet. „Schön" bedeutet für ihn hässlich, „gut" bedeutet schlecht, und ein Gruß klingt wie eine Verabschiedung. Aus dieser Idee entwickelten die Autoren rasch ein ganzes Konzept.

„Me am Bizarro – das Gegenteil von Superman in jeder Hinsicht!"
Sinngemäß Bizarro, geprägt in den Geschichten ab Action Comics Nr. 254 (1959)

Die Bizarro-Welt Htrae

Aus dem einzelnen Doppelgänger wurde bald eine ganze Parallelwelt: Htrae („Earth" rückwärts gelesen), ein würfelförmiger Planet voller Bizarro-Versionen bekannter Figuren – inklusive einer Bizarro-Lois-Lane. Auf Htrae gilt das „Bizarro-Gesetz", das jede Form von Perfektion und Schönheit unter Strafe stellt. Damit lieferte die Reihe nicht nur einen Gegenspieler, sondern eine komplette satirische Spiegelwelt zum Superman-Universum.

Warum Bizarro bis heute zählt

Wo Lex Luthor für kalte Berechnung und Brainiac für körperlose Intelligenz steht, verkörpert Bizarro etwas ganz anderes: das verzerrte Spiegelbild des Helden selbst. Die Figur pendelt seit Jahrzehnten zwischen komischer Tragik und ernster Bedrohung und taucht immer wieder in Comics, Zeichentrick- und Realserien sowie in Videospielen auf. Sogar der Begriff „Bizarro-Welt" hat es als Redewendung für eine völlig verkehrte Realität in die Popkultur geschafft.

Action Comics Nr. 254 ist damit ein weiterer Beleg dafür, wie dicht die späten 1950er-Jahre in dieser einen Serie mit bleibenden Ideen gepackt waren. Eine Einordnung aller wichtigen Hefte bietet unsere Ausgaben-Übersicht; den Ursprung der ganzen Saga finden Sie beim Reprint von Action Comics Nr. 1.

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